Information der Krankenkasse

Im Falle der Arbeitsunfähigkeit eines gesetzlich versicherten Arbeitnehmers muss neben dem Arbeitgeber auch die Krankenkasse über die Krankschreibung in Kenntnis gesetzt werden. Nur bei rechtzeitigem Vorliegen der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zahlt die Krankenkasse dem Versicherten bei einer länger als sechs Wochen andauernden Berufsunfähigkeit Krankengeld.

Bisher war es Aufgabe des Versicherten, die AU-Bescheinigung bei seiner Krankenkasse einzureichen. Im Zuge der Digitalisierung soll nun der behandelnde Arzt dafür zuständig sein. Die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) war ursprünglich für den 1. Januar 2021 vorgesehen. Aufgrund fehlender Technik wurde der Starttermin auf den 1. Oktober 2021 verschoben.

 

Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)

Die Krankmeldung wird digital: Krankenkassen werden (bald) nicht mehr in Papierform von den Versicherten, sondern auf digitalem Wege von den behandelnden Ärzten über die Arbeitsunfähigkeit informiert. Die Zuleitung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an die Krankenkasse übernehmen die Ärzte, indem sie die Bescheinigung bzw. die notwendigen Daten über Telematikinfrastruktur (TI) übermitteln. Damit entfällt für die Versicherten die Pflicht, die AU-Bescheinigung selbst bei der Krankenkasse einzureichen.

Diese sogenannte elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) startet ab 1. Oktober 2021. Ursprünglich war die Einführung bereits für den 1. Januar 2021 vorgesehen, doch angesichts fehlender Technik bei Ärzten und Krankenkassen einigten sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und das Bundesgesundheitsministerium auf eine Verschiebung des Starttermins um drei Quartale.

Achtung: Es handelt sich dabei um eine Übergangsregelung: Vertragsärzte sind nicht verpflichtet, zum Starttermin 1. Oktober 2021 auf die eAU umzustellen, sondern haben dafür Zeit bis zum 31. Dezember 2021. Hierauf einigten sich die KBV und der GKV-Spitzenverband angesichts noch immer fehlender Technik. Damit wird die eAU erst ab 1. Januar 2022 verpflichtend. Für Versicherte bedeutet dies, dass sie ihren Krankenschein vorerst weiterhin selbst bei ihrer Krankenkasse einreichen müssen, solange ihr Arzt nicht auf das digitale Verfahren umstellt.

 

Krankenschein in Papierform

Solange Vertragsärzte noch nicht auf das digitale Verfahren umgestellt haben, sind Versicherte – wie auch vor dem 1. Oktober 2021 – dazu verpflichtet, ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in Papierform bei der Krankenkasse einzureichen.

Einreichung der richtigen Bescheinigung

Versicherte, die von einem Arzt aufgrund von Arbeitsunfähigkeit krankgeschrieben werden, erhalten eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Diese besteht aus drei Ausfertigungen, die dem Versicherten ausgehändigt werden, sowie einem Durchschlag, den der behandelnde Arzt für seine Unterlagen behält. Auf jedem Exemplar befindet sich ein Vermerk in einem Kästchen, wem welcher Teil der Bescheinigung vorzulegen ist: ein Exemplar erhält der Arbeitgeber, eine Ausfertigung ist für den Versicherten und das Original ist für die Vorlage bei der Krankenkasse bestimmt.
Nur dieser Teil der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, der der „Vorlage bei der Krankasse“ dient, ist von dem Versicherten an seine Krankenkasse zu übermitteln.

Im Gegensatz zu dem Durchschlag, den der Arbeitgeber erhält, befinden sich auf der Ausfertigung für die Krankenkasse die sogenannten ICD-10-Codes (International Classification of Diseases and Related Health Problems). Mit Hilfe der Codes kodiert der behandelte Arzt die Krankheit(en) des Versicherten. Für die Krankenkasse ist die Diagnose für die Abrechnungen der medizinischen Leistungen sowie für die Zahlung von Krankengeld von Bedeutung.

Vorlagemöglichkeiten

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen können Versicherte entweder per Post oder Fax an ihre Krankenkasse übersenden oder in einer Servicestelle persönlich abgeben. Daneben bieten viele Kassen Online-Portale oder Apps an, um eingescannte oder abfotografierte Krankenscheine hochzuladen.

Versicherte sollten bedenken, dass sie das Risiko für den rechtzeitigen Zugang des Krankenscheins bei ihrer Kasse tragen. Geht die Bescheinigung beispielsweise auf dem Postweg verloren, wirkt sich dies zu ihren Lasten aus. Gegebenenfalls sollte daher auf ein Einschreiben oder andere Übermittlungswege zurückgegriffen werden.

Zugang innerhalb einer Woche

Die Vorlage bei der Krankenkasse sollte nach § 49 Abs. 1 Nr. 5 SGB V innerhalb einer Woche nach Beginn bzw. Feststellung der weiterhin bestehenden Arbeitsunfähigkeit erfolgen. Hierbei handelt es sich um eine Obliegenheit des gesetzlich versicherten Arbeitnehmers: Es steht ihm frei, ob er den Krankenschein innerhalb einer Woche einreicht; tut er dies nicht, drohen ihm allerdings rechtliche Nachteile. Konkret bedeutet dies, dass der Anspruch auf Krankengeld ruht und unter Umständen ausgeschlossen ist, sollte der Krankenschein nicht (rechtzeitig) an die Kasse übermittelt werden.

Verspätete Vorlage des Krankenscheins

Gemäß § 49 Abs. 1 Nr. 5 SGB V ruht der Anspruch auf Krankengeld, sofern innerhalb von einer Woche seit Beginn der Arbeitsunfähigkeit keine Meldung gegenüber der Krankenkasse erfolgt. Grundsätzlich hat sich der Versicherte selbst um den fristgerechten Eingang der AU-Bescheinigung bei seiner Krankenkasse zu kümmern. Versäumt er die rechtzeitige Einreichung, ruht sein Anspruch auf Krankengeld, bis der Kasse die Bescheinigung zugeht. Bis zu diesem Zeitpunkt erhält der Versicherte kein Geld von seiner Krankenkasse. Dabei ist zu beachten, dass sich die gesetzliche Frist sowohl auf eine Erstbescheinigung als auch auf jede Folgebescheinigung bezieht. Um den Anspruch auf Krankengeld nicht zu verlieren, ist außerdem auf eine lückenlose Krankschreibung zu achten.

Im Streitfall hat der Versicherte den rechtzeitigen Zugang der Bescheinigung bei seiner Kasse zu beweisen. Er trägt daher das Risiko, falls der Krankenschein verloren geht oder verspätet ankommt.

Ausnahmen hiervon sind in Einzelfällen möglich. So entschied das Sozialgericht (SG) Detmold im November 2017, der Anspruch auf Krankengeld bleibe auch bei verspäteter Meldung der Arbeitsunfähigkeit an die Krankenkasse bestehen, wenn der Arzt selbst (und nicht der Versicherte) die Übersendung an die Krankenkasse mittels von der Kasse zur Verfügung gestellten Freiumschlägen übernehme und die einwöchige Meldefrist hierbei überschreite (Az.: S 5 KR 266/17).